Professionelle Präsenz und verbindliche Beziehungen - systemische Autorität in der Kinder-und Jugendhilfe
Inhalt
Die sechstätige Inhouse-Fachbegleitung zielt auf die konzeptionelle Weiterentwicklung der pädagogischen Praxis einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Erarbeitung eines professionsorientierten pädagogischen Konzepts, das sich auf die Grundhaltungen une Interventionslogiken der systemischen (neuen) Autorität (nach Omer, Lemme & Körner) sowie auf systemische Prinzipien stützt.
Die Teilnehmer-innen setzen sich intensiv mit zentralen pädagogischen Haltungsaspekten wie professioneller Präsenz, Selbstführung, Beziehungsorientierung, Transparenz und dem Aufbau tragfähiger Unterstützungsnetzwerke auseinander. Diese Grundhaltungen werden im Kontext aktueller Herausforderungen (z.B. Umgang mit eskalierendem Verhalten, Loyalitätskonflikten, institutionellen Spannungsfeldern) reflektiert und in handlungsleitende Prinzipien übersetzt.
Flankiert wird dieser Reflexions- und Entwicklungsprozess durch methodisch vielfältige Formate wie kollegiale Fallarbeit, strukturierte Konzeptentwicklung, Teamdialoge und praktische Transferübungen. Ziel ist es, eine professionsethisch fundierte und zugleich alltagsaugliche konzeptionelle Grundlage zu schaffen, die im multiprofessionellen Team konsensfähig ist und nachhaltige Orientierung im pädagogischen Handeln bietet.
Ziele
- Entwicklung eines anwendungsbezogenen pädagogischen Konzepts auf Basis der systemischen Autorität und systemischer Grundlagen
- Reflexion und Stärkung der pädagogischen Haltung im Team
- Förderung von Deeskalationsstrategien, Selbstkontrolle und gewaltfreiem Widerstand
- Aufbau von innerer und äusserer Präsenz, Handlungssicherheit und Netzwerkdenken
- Entwicklung eines gemeinsamen Werte- und Orientierungsrahmens
- Transfer und Integration in den Arbeitsalltag der Einrichtung
Methodik
Die Prozessbegleitung basiert auf einem partizipativen, praxisnahen und prozessorientierten Vorgehen. Es kommen systemische Methoden, Elemente und Konzeptarbeit, Teamreflexionen, kollegiale Beratung, kurze Inputs, Rollenspiele, Visualisierungen und kreative Arbeitsformen zum Einsatz. Zwischen den beiden Modulen erhalten die Teams Arbeitsaufträge zur vertiefenden Praxisreflexion und Erprobung. Der gesamte Prozess wird dokumentiert und dient als Grundlage für das schriftliche Konzept.
Ein Gramm Praxis ist mehr wert als Tonnen von Theorie.
Mahatma Gandhi
Neue Autorität verzichtet auf die Durchsetzung von Macht und fokussiert auf die (Wieder-) Herstellung von Beziehung beziehungsweise Kooperationsbereitschaft
Martin Lemme
Prozessschritte
Tag 1 und 2:
- Einführung in die systemische Autorität und systemisches Denken
- Auseinandersetzung mit zentralen Haltungsprinzipien wie Präsenz, Selbstkontrolle, gewaltfreiem Widerstand, Wertbasiertem Handeln
- Standortanalyse: Was ist, was soll werden?
- Zieldefinition für das pädagogische Konzept
- Vertiefung der Haltung in konkreten Alltagssituationen
- Arbeit mit Fallbeispielen aus der Einrichtung
- Einführung in zentrale Handlungselemente (z.B. Transparenz, Ankerhandlungen, Unterstützernetzwerk)
- Erste konzeptionelle Bausteine erarbeiten
Tag 3 und 4:
- Weiterarbeit an den Konzeptbausteinen in Kleingruppen
- Gemeinsames Verständnis für Handlungsprinzipien entwickeln
- Vereinbarung von Praxisaufträgen zur Erprobung zwischen den Modulen
- Rückblick auf Praxiserfahrungen, Integration der Erkenntnisse
- Reflexion über Veränderungsprozesse auf Team- und Organisationsebene
- Arbeit an strukturellen Voraussetzungen für gelingende Umsetzung (z.B. Teamkultur, Leitungsrolle)
Tag 5 und 6:
- Feinausarbeitung der pädagogischen Konzeptinhalte
- Verankerung von Handlungssicherheit und kollegialer Unterstützung
- Entwicklung von Praxisinstrumenten (z.B. Handlungsleitlinien, Krisenpläne, Kommunikationsregeln)
- Zusammenführung aller Bausteine zu einem stimmigen Gesamtkonzept
- Planung von Implementierung und Evaluation im Alltag
- Präsentation & Sicherung der Ergebnisse
- Reflexion des Gesamtprozesses und Perspektiven für nachhaltige Entwicklung.